Es war wieder einer dieser kleinen „Zwischenfälle“, die überall sonst nichts bedeuten würden: Ich ging durch die Jerusalemer Altstadt – enge Gässchen, viele Geschäfte und Menschen aller Religionen – und laufe an einer Gruppe palästinensischer Jungs so zwischen 8 und 12 Jahren vorbei. Und das bedeutet überall auf der Welt, dass irgendwann etwas passiert. Sie hatten einen großen Pappkarton dabei. Gerade als ich an den Jungs vorbei laufe kommen mir zwei ultraorthodoxe Juden – erkennbar an den großen schwarzen Hüten, den langen Schläfenlocken und dem gesenkten Blick – entgegen. In dem Moment springt der Karton auf und ein Junge schnellt den Ultraorthodoxen entgegen: „Buh!“ Einer springt mir vor Schreck vor die Füße, dann eilen beide weiter. Die Jungs lachen.

Eigentlich keine besonders bemerkenswerte Geschichte, mal abgesehen davon, dass bei uns irgendwie Kinder keine Streiche auf der Straße (mehr) spielen. Aber: Die Jungs waren Palästinenser und sie haben nicht die Touris erschreckt, die in Scharen vorbeilaufen, sondern auf die beiden ultraorthodoxen Juden gewartet. Diese beiden jungen Männer haben ihren Schreck nicht einfach wieder abgeschüttelt und die Jungs rundgemacht oder mitgelacht, sondern haben den ganzen Vorfall ignoriert und sind schnell mit gesenktem Kopf weitergelaufen. Sogar so ein Scherz von ein paar Kindern ist hier nicht bedeutungslos.