Cornelius und Mustafa

Prost – auf ein etwas anderes Oktoberfest

Bisher fand das palästinensische Oktoberfest in Taybeh 15 Kilometer nordöstlich von Ramallah statt. Dort drängten sich noch im letzten Jahr 16.000 Besucher in den kleinen Gassen des Ortes, in dem nur 2000 Menschen leben. Sie sind alle Christen, deswegen ist Bier trinken auf der Straße auch erlaubt. Bisher jedenfalls. Die neue Dorfverwaltung, die kurz nach dem Oktoberfest im vergangenen Jahr eingesetzt wurde, wollte das Bierfest nicht mehr.

Dabketänzerinnen der Orthodox School of Bethany2

Das gibt’s nicht in München: Mädchen beim traditionellen Dabke-Tanz

Das Bier könnte das Problem gewesen sein“, vermutet Nadim Khoury, Organisator des Oktoberfests in Taybeh und Betreiber der einzigen palästinensischen Brauerei, „nicht jeder hier mag Alkohol.“ Deswegen wurde es aber auch besonders schwer, einen neuen Platz zum feiern zu finden. Ein Schweizer Luxus-Hotel in Ramallah hatte sich angeboten. Viele Fans des Taybeh-Oktoberfests waren da allerdings nicht begeistert. „Wir wollten das Oktoberfest dieses Jahr eigentlich boykottieren“, erzählt Maria Nieder (27). Nun steht sie doch unter strahlendem Himmel am Pool im Hof des Hotels und kühlt sich die Hände am Bier im Plastikbecher. Immerhin, „es ist besser, sie machen das Fest hier statt in Nazareth.“

Nazareth hatte sich nämlich auch als Veranstaltungsort angeboten. Das Problem ist nur: Nazareth liegt in Israel – doch nur die wenigsten Palästinenser haben eine Einreiseerlaubnis für Israel. Israelis wiederrum dürfen nicht nach Ramallah. Taybeh, das an der Grenze zu den israelisch verwalteten Gebieten im Westjordanland liegt, war eigentlich der perfekte Kompromiss. Hier konnten alle zusammen feiern.

Musikkapelle Leonberg2

Aber so richtig bayerisch muss es natürlich auch mal sein.

Khoury jedenfalls macht Mut: „Wir hoffen, dass die Dorfverwaltung den Fehler einsieht und wir nächstes Jahr wieder in Taybeh feiern können.“ Wenn das nicht klappt, geht es aber vielleicht doch nach Nazareth. Für die Palästinenser, die mitfeiern wollen, hat Khoury dann auch eine Lösung: „Da besorgen wir einfach für jeden eine Einreiseerlaubnis“, sagt er, grinst und glaubt sicher selber nicht so recht daran.

Oktoberfest am Pool2